Junirai – eine deutsche Übertragung
Meik hatte auf seinen Reisen auf Hawaii eine englische Fassung des “Junirai” gehört, die ihn dazu inspirierte, eine deutsche Übertragung zu versuchen. Hier veröffentlichen wir ein PDF mit dem Text und eine MP3 mit einer Audioversion zum herunterladen. Dann folgen Meiks ausführliche Anmerkungen.
Junirai in einer deutschen Übertragung (PDF)
Junirai in einer deutschen Übertragung (MP3)
Junirai – Die zwölf Verehrungen
Anmerkungen von Meik Nörling
Das Junirai hatte ich schon kennengelernt, bevor ich 2017 der BGJ-D beigetreten bin und dann feststellte, dass es ein Andachtstext der Jodo Shinshu ist, der sogar in unserem „roten Buch“ abgedruckt ist. Vor vielen Jahren hatte ich es mal aus dem Englischen für mich neu übertragen, empfand die wenigen deutschen Übersetzungen, die damals im Internet verfügbar waren, als sehr holprig.
Aufgrund seiner Kürze ist wohl Juseige unter deutschen Shin-Buddhisten als japanischer Andachtstext gängiger, aber ich mag Junirai immer sehr gerne, vielleicht auch, weil man es eher singt als nur taktvoll rezitiert.
Der Text, also „Die Zwölf Verehrungen“, wird gemeinhin dem indischen Meister Nagarjuna zugeschrieben. Nagarjuna soll irgendwann zwischen 150-250 n. Chr. in Indien gelebt haben und gilt in vielen buddhistischen Traditionen des Mahayana als wichtiger Patriarch. In der Jodo Shinshu verehren wir ihn bekanntlich als den Ersten Patriarchen. Im Zen gilt Nagarjuna als 14. Patriarch, welcher den Dharma auf seinen Schüler Kanadeva, der auch Aryadeva genannt wird – dem 15. Patriarch – übertragen hat. Im tibetischen Buddhismus, besonders in der Gelug-Schule des Dalai Lama, werden beide, Nagarjuna und Aryadeva, wegen ihrer Kommentarliteratur zu den Prajna Paramita-Sutras und ihren Schriften zur Philosophie des Mittleren Weges (Madyamaka) sehr verehrt und geschätzt.
Vielleicht war Nagarjuna der erste buddhistische Meister, welcher die Differenzierung zwischen dem Pfad der Weisen – dem „Schwierigen Weg“ – und dem Pfad des Reinen Landes – dem „Einfachen Weg“ – vorgenommen hat. In diesem Kontext soll jedenfalls sein Junirai – „Die Zwölf Verehrungen“ – entstanden sein.
Als ich mich vor Jahren daran machte, das Werk aus dem Englischen neu zu übertragen, griff ich auf Texte zurück, die wohl recht wortgetreue Übersetzung aus dem Japanischen oder Chinesischen waren. Übersetzung oder Transkription ist natürlich immer auch Interpretation und Deutung durch den Schreiber, davon kann er sich nie freisprechen.
Etwa bis zu meinem Eintritt in die BGJ-D verwendete ich meine Fassung der Zwölf Verehrungen, dann begann ich, das Junirai aus unserem Andachtsbuch in Sino-Japanisch zu singen – keinesfalls täglich, aber schon regelmäßig, alle paar Wochen mal, ablesend, nicht auswendig könnend.
Schon bei meinem ersten Besuch auf den Hawaiianischen Inseln, 2016, hatte ich eine englische, singbare Version des Junirai bei der Sonntagsandacht im Hilo Hongwanji auf Big Island kennengelernt. Trotz Gänsehau-Feeling hatte ich die aber leider recht schnell wieder vergessen. Die Erinnerung daran kam dann im August letzten Jahres bei einer Sonntagsandacht im Mo’ili’ili Hongwanji auf der Insel Oahu. Diesmal vergaß ich sie nicht, sie kam immer mal wieder hoch, wenn ich das Junirai die Wochen und Monate darauf auf Sino-Japanisch sang. So war es dann auch nicht mehr weit bis zur Idee, eine singbare deutsche Fassung der „Zwölf Verehrungen“ zu realisieren. Hierfür dienten mir als Vorlage in erster Linie die singbare englische Fassung, die im Jodo Shinshu Service Book der Hompa Hongwanji Missions of Hawaii, „Praising Buddha’s Virtues“, abgedruckt ist (online zu finden), sowie die deutsche Übersetzung von Rev. Nottelmann aus unserem roten Andachtsbuch.
Das Ergebnis ist im Folgenden zu lesen und zu singen. Vielen herzlichen Dank in diesem Zusammenhang an meinen Dharma-Freund Iyo, der mit Rat und Tat zur Seite stand, die Noten beisteuerte, die Korrekturlesung übernahm und ebenso wie Günter, dem ich auch Dank schulde, seine Stimme beisteuerte.